Die Grand Challenges der Informatik 2025
Kaum eine Disziplin entwickelt sich so rasant wie die Informatik. Die Initiative Grand Challenges wagt trotzdem den Blick in die Zukunft: Was sind die großen Herausforderungen, deren Lösung einen deutlich spürbaren Fortschritt in ökonomischer, sozialer oder gesellschaftlicher Hinsicht für unser aller Leben bedeutet?

Internet of Everything: Resilient und effizient
Die Zukunft ist vernetzt: Durch die Vernetzung so ziemlich aller Elemente unseres Alltags sowie der Verschmelzung physischer und virtueller Welten nimmt die Bedeutung des Internets in Zukunft weiter zu. Es wird aber konzertierte Anstrengungen erfordern, Anwendungen aus Industrie 4.0, Smart Cities, Smart Grid, virtuellen Realitäten, vernetztem Fahren oder Telemedizin erfolgreich umzusetzen sowie große Datenmengen effizient und resilient zu erheben, zu übertragen und zu verarbeiten.

Dezentrale KI: Unabhängig und individuell
Das Training von KI-Modellen ist extrem ressourcenaufwendig und setzt in vielen Fällen sehr große Datenmengen voraus. Dies fördert die Entstehung natürlicher Monopole, da große Unternehmen mit großen Datenbeständen und eigenen Rechenzentren im Vorteil sind. Edge AI ermöglicht es, KI-Modelle am Rand des Netzes und damit direkt da wo die Daten anfallen verteilt zu trainieren und auszuführen. Dies führt jedoch zu neuen Forschungsfragen, um die Komplexität von Edge AI-Systemen handhabbar zu machen und sichere Edge AI-Systeme zu entwickeln.

Digitale Selbstbestimmung: Verantwortungsvoll und kompetent
Die zunehmende Flut an Daten und deren systematische Verwertung kann Menschen in vielen Bereichen unterstützen, aber auch ihre Selbstbestimmung gefährden. Daher reicht es nicht mehr, auf die qualitativ neuen Herausforderungen durch KI und ihre Folgen für Mensch und Gesellschaft nur zu reagieren. Um die Selbstbestimmung der Nutzenden zu bewahren, ihre kritische Kompetenz zu stärken und gleichzeitig datengetriebene Technologien weiterzuentwickeln, brauchen wir eine sozialnützliche Technikgestaltung.

Vollautomatisierte Software-Entwicklung? Verlässlich und reguliert
Software Engineering ist ein ideales Anwendungsgebiet für die KI-basierte Automatisierung. Wie aber können wir die technische Entwicklung so kanalisieren, dass die Gesellschaft nur die gewünschten Auswirkungen erfährt? Dazu gehört es, große, komplexe Software verlässlich mit vorhersagbaren Qualitätseigenschaften zu erzeugen – aber auch ethisch zu reflektieren, was nicht automatisiert werden darf.

World Wide Metaverse: Offen, frei und sicher
Anfangs belächelt, hat sich das Internet zu einem integralen Bestandteil unseres Lebens entwickelt. Ähnlich steht es um das Metaverse: Die Vision eines erweiterten digitalen Lebensraums, in dem Realität und Virtualität verschmelzen, umfasst heute mit klimafreundlichen und flexiblen Arbeitsmodellen, bewussterem Konsum und neuen Freizeitaktivitäten viele Vorteile. Um diese der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, darf das Metaverse aber nicht von einzelnen Akteuren dominiert werden. Es muss interoperabel, skalierbar, sicher sowie multimodal, multisensorisch und barrierearm zugänglich sein. Heißt: eine ganze Menge an Anforderungen, die es zu bewältigen gilt.
Über die
Grand Challenges
Ein Präsidiumsarbeitskreis der Gesellschaft für Informatik hat die zentralen Herausforderungen der Informatik gesucht.
Ziel des umfangreichen Beteiligungsprozesses war es, zusammen mit ca. 20.000 Mitgliedern in der GI Herausforderungen zu identifizieren, um ...
- ... der Informatik als attraktiver und wichtiger Wissenschaft in der Öffentlichkeit ein Gesicht zu geben.
- ... jungen Menschen zu zeigen, welche interessante Herausforderungen die Informatik bietet und Anreize zu einer entsprechenden Berufswahl geben.
- ... der Öffentlichkeit zu verdeutlichen, welch gesellschaftlich relevante Probleme sich mit Informatik lösen lassen.
- ... Studierende und Wissenschaftler*innen zu ermuntern, zu diesen Themen zu forschen.
- ... für Forschung und Entwicklung Verantwortliche einschließliche Regierungsmitgliedern anzuregen, die Forschung zu diesen Themen zu intensivieren.
Mit diesen Grundgedanken identifizierte die GI bereits im Jahr 2014 fünf Herausforderungen, die heute nicht weniger relevant sind: die Grand Challenges 2014.
Die Mitglieder der Jury









