Milliarden-Einsparpotenzial: GI-Arbeitskreise fordern verbindlichen Rollout von openDesk
Der Präsidiumsarbeitskreis „Digitale Souveränität”, der Arbeitskreis „Open Source Software” und der Arbeitskreis „Datenschutz und IT-Sicherheit” der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI) begrüßen die im Koalitionsvertrag vereinbarten Ziele zur Stärkung der digitalen Souveränität und plädieren dafür, die vom Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) entwickelte Office-Anwendung openDesk als Standardsoftware in der öffentlichen Verwaltung zu implementieren. Dadurch sehen die GI-Arbeitskreise Milliarden-Einsparpotenziale.
Berlin, 30.04.2025 – Im Koalitionsvertrag haben CDU/CSU und SPD festgehalten, dass sie in einer neuen Bundesregierung die digitale Souveränität stärken wollen. Dafür sollen Ebenen übergreifenden offene Schnittstellen und offene Standards definiert und Open Source mit den privaten und öffentlichen Akteuren im europäischen Ökosystem gezielt vorangetrieben werden. So soll auch das Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS), die Sovereign Tech Agency sowie die Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND) gestärkt werden.
Prof. Dr. Harald Wehnes, Sprecher des Präsidiumsarbeitskreises Digitale Souveränität der GI: „Wir begrüßen, dass eine neue Bundesregierung dem Thema digitale Souveränität eine zentrale Bedeutung beimisst. Dies ist auch dringend notwendig. Wir sind in der öffentlichen Verwaltung in einem ungesunden Ausmaß von US-Unternehmen abhängig, die eine Bedrohung unserer digitalen Souveränität darstellt. Insbesondere vor dem Hintergrund einer unberechenbaren US-Administration ergeben sich daraus große Erpressungspotentiale, die wir schnell reduzieren müssen.“
Digitale Souveränität als Staatsaufgabe
Dabei kommt der Reduktion der digitalen Abhängigkeit der Bundesverwaltung eine zentrale Rolle zu. Bereits 2019 hat eine Marktanalyse von PriceWaterhouseCoopers zur Reduzierung von Abhängigkeiten von einzelnen Software-Anbietern [1] die extrem hohe Abhängigkeit der Bundesverwaltung von einzelnen Anbietern dokumentiert und auch auf die möglichen Folgen dieser Abhängigkeit hingewiesen: "Anbieter scheinen ihre Angebotsmacht zu ihrem Vorteil zu nutzen und Anforderungen ihrer Kunden, z.B. das erhöhte Bedürfnis nach Informationssicherheit im öffentlichen Sektor, nicht bzw. nur unzureichend zu adressieren. Dies kann die Digitale Souveränität der Verwaltung gefährden."
Allein in den vergangenen sieben Jahren haben sich die Ausgaben der Bundesverwaltung für Microsoft, den größten Anbieter proprietärer Office-Lösungen, fast verfünffacht. [2] Alle Ressorts der Bundesregierung haben 2023 erstmals mehr als eine Milliarde Euro für Lizenzen für Computerprogramme und IT-Services ausgegeben: Die einschlägigen Gebühren sind von rund 771 Millionen Euro im Jahr 2022 auf über 1,2 Milliarden in 2023 gestiegen. Das entspricht einer Zunahme von 441 Millionen Euro beziehungsweise rund 57 Prozent. [3]
Reduktion der digitalen Abhängigkeit durch Einsatz von openDesk in der öffentlichen Verwaltung bietet enorme Einsparpotenziale
Durch den flächendecken Einsatz von openDesk [4] bis zum Ende dieser Legislaturperiode in der öffentlichen Verwaltung können nicht nur Steuergelder eingespart, sondern auch die lokale Wertschöpfung und damit der Standort Deutschland gestärkt werden. Zudem würde die Möglichkeit der nur schwer zu kontrollierenden Datenabflüsse ausgeschlossen werden, die die US-Gesetzgebung auch für Rechenzentren von US-Unternehmen mit Standort in Deutschland vorsieht. [5] Für die erfolgreiche Umsetzung ist insbesondere mutiges politisches Handeln erforderlich.
Konkret fordern die drei Arbeitskreise der GI:
- Es braucht einen verbindlichen openDesk-Rollout in der gesamten Verwaltung im Laufe der neuen Legislaturperiode sowie finanzielle Absicherung der notwendigen Weiterentwicklung.
- Die für das Zentrum Digitale Souveränität (ZenDiS) vorgesehenen und ausstehende Mittel müssen unverzüglich freigegeben werden, damit das ZenDiS mit dem gebotenen Tempo weiterarbeiten und den weitreichenden politischen Auftrag zur Stärkung der Digitalen Souveränität in Bund, Ländern und Kommunen erfüllen kann.
- Das Interesse der Bundesländer an den ZenDiS-Lösungen ist groß und muss berücksichtigt werden. Es gilt jetzt die Beteiligung der interessierten Bundesländer als Gesellschafter an der ZenDiS GmbH schnell formal zu ermöglichen, um eine langfristige Perspektive für alle Beteiligten sicherzustellen.
Pressekontakt:
Alexandra Resch
Gesellschaft für Informatik e.V.
Mail: presse@gi.de
Quellen:
[1] https://www.cio.bund.de/SharedDocs/downloads/Webs/CIO/DE/digitale-loesungen/marktanalyse-reduzierung-abhaengigkeit-software-anbieter.pdf?__blob=publicationFile&v=2
[2] https://www.spiegel.de/wirtschaft/kosten-fuer-microsoft-softwarelizenzen-des-bundes-seit-2015-fast-verfuenffacht-a-e685382a-e694-4748-bb66-e191a00e468e
[3] https://www.heise.de/news/Bund-Lizenzkosten-fuer-Microsoft-auf-hohem-Niveau-insgesamt-neuer-Rekord-9744319.html
[4] https://opendesk.eu/ueber/
[5] https://www.congress.gov/bill/115th-congress/house-bill/4943/text
